Viele Menschen mit ADHS haben Schwierigkeiten, sich über „Wichtigkeit“ zu motivieren. Stattdessen funktioniert Motivation oft über Dringlichkeit – was dazu führen kann, dass wir uns unbewusst selbst unter Druck setzen.

ADHS Motivation: Warum wir uns selbst unter Druck setzen und erschöpfen

Ich habe lange nicht verstanden, warum ich mich immer wieder selbst in Situationen bringe, in denen die Dinge, die ich zu tun habe, eigentlich meine Kapazitäten überschreiten.

Warum ich so viele Dinge parallel laufen habe, dass ich die Bälle nur gerade so in der Luft halten kann.

Warum ich mir nicht einfach mal nur so viel vornehme, wie ich entspannt schaffen kann.

Stattdessen:
Es ist immer ein bisschen mehr.
Die Ziele sind ein bisschen höher.
Und es ist oft genau so, dass ich denke: Das schaffe ich vielleicht nicht.
Nur, wenn ich wirklich Vollgas gebe.

Manche nennen das High-Achiever. Hört sich gut an, nehme ich gerne. Aber weißt du, womit es eigentlich auch zu tun hat? Damit wie Motivation bei vielen neurodivergenten (besonders solchen mit ADHS oder ADHS und Hochbegabung) funktioniert. 


ADHS Motivation: Warum „Wichtigkeit“ oft nicht ausreicht

Menschen mit ADHS können sich schwer damit motivieren, dass etwas wichtig ist. Für viele neurotypische Menschen ist es relativ klar:
Etwas ist wichtig → also wird es erledigt.

Bei ADHS kommt dieses Gefühl von „Wichtigkeit“ oft gar nicht richtig an.

Was aber sehr wohl funktioniert, ist: Dringlichkeit – ein zentraler Aspekt von ADHS Motivation. Vielleicht kennst du das von dir selbst oder von deinem Kind:
Etwas wird lange aufgeschoben – und dann im letzten Moment erledigt.

Und das hat gar nichts mit Faulheit zu tun. Es ist sogar ein ganz cleverer Weg unseres Unterbewusstseins uns ins Tun zu bringen.
Das Nervensystem braucht genau diesen Zustand, um in Bewegung zu kommen.

Wenn du als Teenager regelmäßig deine Hausaufgaben spätabends gemacht hast oder morgens im Bus für den Test gelernt hast, dann weißt du, wovon ich spreche.


Wenn wir uns den Druck selbst erschaffen

Und was ist eine Variante davon im Erwachsenenleben? Dass wir uns unbewusst ein Umfeld schaffen, in dem genau diese Dringlichkeit entsteht. Hier kommen die chronisch zu vollen To-Do-Listen ins Spiel.

Zum Beispiel:

  • sich für das Kuchenbuffet eintragen – obwohl man weiß, dass man den Kuchen nachts backen wird
  • Verabredungen zusagen, für die eigentlich keine Zeit da ist
  • als „Kindertaxi“ in völlig unterschiedliche Richtungen unterwegs sein
  • noch ein berufliches Projekt annehmen, weil es interessant klingt
  • zusätzlich eine Fortbildung starten
  • Geschenke in letzter Minute besorgen

Und plötzlich ist man überall ein bisschen zu spät.
Hat überall ein bisschen zu wenig Zeit.
Und genau dadurch entsteht der Druck, der nötig ist, um ins Handeln zu kommen.


Der Preis: ein dauerhaft angespanntes Nervensystem

Das Problem daran ist offensichtlich – und wird gleichzeitig oft übersehen:

Dieser selbst erzeugte Druck hält das Nervensystem im Dauerstress.

Mögliche Folgen können sein:

  • unruhiger Schlaf
  • Gereiztheit
  • Erschöpfung
  • das Gefühl, nie wirklich anzukommen
  • körperliche Symptome wie z. B. Gewichtszunahme

Man funktioniert. Aber es fühlt sich selten wirklich gut an. Oder es geht soweit, dass irgendwann gar nichts mehr funktioniert.


Was kann helfen?

Der erste Schritt ist nicht:
„Ich muss mich besser organisieren.“ oder „Ich muss lernen Nein zu sagen.“ Denn das wäre reine Symptom-Bekämpfung.

Der erste Schritt ist: Verstehen.

Warum mache ich das eigentlich so?

(Es kann viele Gründe geben, warum wir unser Nervensystem immer wieder in diesen Zustand bringen. Das Beispiel mit Motivation und ADHS ist nur einer davon.)

1. Auf Spurensuche gehen
Warum mache ich das?

2. Das dahinterliegende Bedürfnis erkennen
Was versuche ich eigentlich zu erfüllen?

3. Neue Wege finden
Wie kann ich dieses Bedürfnis erfüllen, ohne mich dauerhaft unter Druck zu setzen?

4. Achtsam beobachten
Wo funktionieren neue Wege bereits?
Was fühlt sich anders an?


Worum es wirklich geht

Es geht nicht darum, weniger zu wollen.
Oder sich plötzlich komplett zu entschleunigen.

Sondern darum, Wege zu finden, die funktionieren und sich gleichzeitig gut anfühlen.

Wege, die dein Nervensystem mitnehmen.
Und dich nicht dauerhaft im Ausnahmezustand halten.

Ich begleite Eltern neurodivergenter und hochbegabter Kinder mit einem positiv-psychologischen, ressourcenorientierten Ansatz. In meiner Arbeit verbinde ich Fachwissen zu Neurodivergenz mit Intuition, Haltung und dem Fokus auf Selbstwirksamkeit – für mehr Klarheit, innere Ruhe und Leichtigkeit im Familienalltag.

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